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<title>Genogramm</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Genogramm</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p>Ein <b>Genogramm</b> (<a href="Kofferwort" title="Kofferwort">Kofferwort</a> aus <a href="Genealogie" title="Genealogie">Genealogie</a> und <a href="Diagramm" title="Diagramm">Diagramm</a>) ist eine Darstellungsform <a href="Verwandtschaftsbeziehung" title="Verwandtschaftsbeziehung">verwandtschaftlicher Zusammenhänge</a>, die vor allem in der <a href="Systemische_Familientherapie" title="Systemische Familientherapie">Systemischen Familientherapie</a> verwendet wird, um <a href="Familie_(Soziologie)" class="mw-redirect" title="Familie (Soziologie)">Familienbeziehungen</a>, wiederkehrende Konstellationen und <a href="Anamnese" title="Anamnese">medizinische Vorgeschichte</a> darzustellen und zu <a href="Evaluierung" class="mw-redirect" title="Evaluierung">evaluieren</a>; es geht inhaltlich weit über einen <a href="Familienstammbaum" class="mw-redirect" title="Familienstammbaum">Familienstammbaum</a> hinaus. Mit einem Genogramm sollen Verhaltensmuster, beziehungsbestimmende psychologische Faktoren und sich innerhalb einer Familie wiederholende Verhaltensweisen <a href="Visualisierung" title="Visualisierung">visualisiert</a> und anschließend <a href="Analyse" title="Analyse">analysiert</a> werden.
</p><p>Im weiteren Sinn werden Genogramme bzw. die an ihnen angelehnte Schematisierung auch über familiäre Zusammenhänge hinausgehend beispielsweise zur <a href="Soziale_Netzwerkanalyse" title="Soziale Netzwerkanalyse">Sozialen Netzwerkanalyse</a> herangezogen, um Verbindungen, Zusammenhänge und Konfliktlinien in sehr breit gefächerten Themengebieten bis hin zu globalen Verflechtungen von <a href="Wirtschaft" title="Wirtschaft">Wirtschaft</a> und <a href="Politik" title="Politik">Politik</a> zu veranschaulichen.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Entwicklung">Entwicklung</h2></div>
<p>Wegweisend für die heutige Genogrammarbeit waren Monica McGoldrick und Randy Gerson, die 1985 das Buch <i>Genograms: Assessment and Intervention</i> veröffentlichten. Genogramme werden in der <a href="Genealogie" title="Genealogie">Familienforschung</a>, der <a href="Medizin" title="Medizin">Medizin</a>, der <a href="Psychologie" title="Psychologie">Psychologie</a>, der <a href="Psychiatrie" title="Psychiatrie">Psychiatrie</a>, der <a href="Bildung" title="Bildung">Bildung</a> und der <a href="Sozialp%C3%A4dagogik" title="Sozialpädagogik">Sozialpädagogik</a> eingesetzt. Familienberater nutzten Genogramme für Problemanalysen.
</p><p>Die französische Psychotherapeutin <a href="Anne_Ancelin_Sch%C3%BCtzenberger" title="Anne Ancelin Schützenberger">Anne Ancelin Schützenberger</a> hat das Genogramm zum Genosoziogramm weiterentwickelt, indem sie Elemente aus dem <a href="Psychodrama" title="Psychodrama">Psychodrama</a> hinzufügte.
</p><p>In der Form den Genogrammen ähnliche Muster wurden in Deutschland während der <a href="Zeit_des_Nationalsozialismus" title="Zeit des Nationalsozialismus">NS-Diktatur</a> für „Rassefragen“, vermeintlich vererbte Charaktereigenschaften, Behinderungen oder Suchtmittelabhängigkeit angewendet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Darstellung">Darstellung</h2></div>

<p>Genogramme bestehen aus einfachen <a href="Symbol" title="Symbol">Symbolen</a>, die wie ein Familienstammbaum angeordnet sind. Ein Symbol steht dabei für ein Familienmitglied. Die Symbole zeigen das Geschlecht und, mit verschiedenen Linien, die Beziehung zu der Familie. Beispielsweise haben <a href="Adoption" title="Adoption">adoptierte Kinder</a> und Haustiere eine gestrichelte Linie, Pflegekinder eine gepunktete. Für gewöhnlich steht über dem Symbol das Geburtsdatum (und gegebenenfalls das Todesdatum), darunter der Name. Im Inneren des Symbols steht das Alter oder verschiedene Zeichen, die zum Beispiel <a href="Erbkrankheit" title="Erbkrankheit">Erbkrankheiten</a>, eheähnliche Gemeinschaften, Totgeburten, <a href="Abtreibung" class="mw-redirect" title="Abtreibung">Schwangerschaftsabbrüche</a> und <a href="Pl%C3%B6tzlicher_Kindstod" title="Plötzlicher Kindstod">plötzlichen Kindstod</a> aufzeigen. Genogramme werden klassischerweise vom Berater oder Therapeuten gezeichnet. Es besteht zudem die Möglichkeit, dass die Klienten eine eigene Zeichnung anfertigen. Diese Visualisierung bietet ergänzende Möglichkeiten für die Hypothesenbildung.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Inhalt">Inhalt</h2></div>


<p>In einem Genogramm werden nicht nur Namen und Geburtsdaten festgehalten, sondern auch, wie diese zueinander stehen. So lassen sich beispielsweise Karrieredaten, innerfamiliäre Konflikte, Krankheiten und Gewohnheiten darstellen.
</p><p>Ein Vorteil ist, dass in Genogrammen verschiedene Beziehungsarten mit verschiedenen Farben darstellbar sind, etwa verheiratete, geschiedene, getrennt lebende, unverheiratet zusammen lebende und verlobte Paare.
</p><p>Normalerweise enthalten Genogramme auch Darstellungen von Gefühlen füreinander. Zwei parallele, horizontale grüne Linien zwischen zwei Menschen stehen beispielsweise für Freundschaft, zwei grüne, ineinandergreifende Kreise bedeuten Liebe. Rote Linien stehen meistens für negative Beziehungen wie Hass, Misstrauen und Ablehnung.
</p><p>Um auch Personen wie Nachbarn, Mitarbeiter bzw. Mitschüler, Vorgesetzte bzw. Lehrer, Pfarrer und ähnliches einzubeziehen, werden manchmal auch diese ins Genogramm eingebaut. So können Genogramme zum Beispiel auch für Firmen erstellt werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Anwendung">Anwendung</h2></div>
<p>In der <a href="Genealogie" title="Genealogie">Familienforschung</a> werden Genogramme verwendet, um das Leben der Familienmitglieder aufzuzeichnen. So können sehr komplexe Familienstammbäume entstehen, die Heiraten und Scheidungen, Adoptionen und andere Familienstrukturen zeigen. Dadurch können Familienforscher interessante Fakten wie Namenshäufungen, Geschwisterrivalitäten oder gar historische Ereignisse wie <a href="Migration_(Soziologie)" class="mw-redirect" title="Migration (Soziologie)">Migrationen</a> analysieren.
</p><p>In der Medizin können mit Hilfe von Genogrammen gesundheitliche Zusammenhänge, zum Beispiel Krebsrisiken und vor allem <a href="Erbkrankheit" title="Erbkrankheit">Erbkrankheiten</a>, aufgezeigt werden. Mit diesem Wissen lassen sich genauere medizinische Analysen erarbeiten. Außerdem können so Gesundheitsrisiken entdeckt werden.
</p><p>Psychologen wenden Genogramme an, um essentielle Informationen zu erlangen und so den Patienten besser beraten beziehungsweise <a href="Psychotherapie" title="Psychotherapie">therapieren</a> zu können. Sie können so etwa Konflikte schnell erkennen und auf dieser Basis das Verhalten des Patienten bewerten.
</p><p>Sozialarbeiter können mithilfe von Genogrammen emotionale Bindungen zwischen Familienmitgliedern und anderen Menschen aus dem sozialen Umfeld erkennen und bewerten. Dadurch zeigt sich beispielsweise der Zusammenhalt der Familie.
</p><p>Durch Genogramme können Forscher Abläufe zwischen vielen Generationen aufzeigen und verstehen. Dabei werden Genogramme auch für Pflanzen- und Tierspezies entwickelt. Außerdem können so verschiedene Mechanismen und Taktiken, beispielsweise zum Überleben oder Jagen, erkannt werden. Außerdem lassen sich Sozialstrukturen innerhalb von <a href="Herde" title="Herde">Herden</a> erforschen.
</p><p>In der Bildung werden Genogramme zur Diskussion von Büchern und zur Darstellung von Familien berühmter Leute angewendet. Durch Genogramme können auch spezielle Details herausgearbeitet werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Monica McGoldrick u.&nbsp;a.: <i>Genogramme in der Familienberatung.</i> 3. Auflage. Verlag Hans Huber, Bern 2009, ISBN 978-3-456-84647-7.</li>
<li>Bernd Roedel: <i>Praxis der Genogrammarbeit.</i> 6. Auflage. Verlag modernes lernen, Dortmund 2010, ISBN 978-3-86145-308-6.</li>
<li>Stuart Lieberman: <i>Transgenerational Family Therapy.</i> 1. Auflage. Croom Helm Ltd., London 1979, ISBN 978-0-85664-776-5.</li>
<li>E. Sperling, A. Massing, G. Reich u.&nbsp;a.: <i>Die Mehrgenerationen-Familientherapie.</i> Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 1982, ISBN 978-3-525-45740-5.</li>
<li>Jürgen Beushausen: <i>Genogramm- und Netzwerkanalyse. Die Visualisierung familiärer und sozialer Strukturen.</i> Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Göttingen 2012, ISBN 978-3-525-40183-5.</li>
<li><a href="Ruthard_Stachowske" title="Ruthard Stachowske">Ruthard Stachowske</a>: <i>Mehrgenerationentherapie und Genogramme in der Drogenhilfe – Drogenabhängigkeit und Familiengeschichte</i>. Asanger Verlag, Heidelberg / Kröning 2002, ISBN 978-3-89334-379-9. <a rel="nofollow" class="external text" href="http://mehrgenerationentherapie.wordpress.com/rezension-jost-leune/">Ruthard Stachowske</a> Abgerufen am 21. Mai 2014.</li>
<li><a href="Anne_Ancelin_Sch%C3%BCtzenberger" title="Anne Ancelin Schützenberger">Anne Ancelin Schützenberger</a>: Oh, meine Ahnen! Wie das Leben unserer Vorfahren in uns wiederkehrt. 9. Auflage. Verlag Carl-Auer, Heidelberg 2018, ISBN 978-3-8497-0237-3.</li>
<li>Dirk Rohr u. a.: <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.carl-auer.de/uber-die-arbeit-mit-genogrammen">Über die Arbeit mit Genogrammen</a> – Auswertung von ExpertInneninterviews zur Genogrammerstellung. Verlag Carl-Auer, Heidelberg 2017, ISBN 978-3-8497-9006-6</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Genogram?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Genogramm</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<ul><li>Helmut Johnson: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.institut-johnson.de/page/wp-content/uploads/genogramm.pdf"><i>Das Genogramm in der systemischen Persönlichkeitsanalyse</i></a>; Artikel für die systemische Therapie-Fachzeitschrift <i>Mensch und System</i>, August 1995 (PDF-Datei)</li>
<li><i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.institut-johnson.de/bibliothek/systemische-theorie/genogramm-persoenlichkeitsanalyse/">Familienbande sichtbar machen - die Arbeit mit dem Genogramm</a></i> (PDF-Datei)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.wingeno.org/">WinGeno, ein Computerprogramm zur grafischen Darstellung familiärer Konstellationen in Form eines Genogrammes</a> (englisch)</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.ingeno.info/">InGeno, eine Android-App zur ambient-interaktiven Erstellung von Genogrammen</a> (deutsch, iOS geplant)</li></ul></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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